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Interview von Laut Gegen Nazis mit Jan Fockele

Im Rahmen unserer Gespräche mit Unternehmen verschiedenster Branchen über eine Unterstützung für Projekte gegen den wachsenden Rechtsextremismus, erhalten wir immer wieder auch abschlägige Antworten. Teilweise werden uns Ausflüchte genannt, zum Teil wird aber auch ganz offen geäußert, man wolle mit dem Thema nichts zu tun haben, weil man Repressalien durch Kunden fürchtet.

Interview von Laut Gegen Nazis mit Jan Fockele, Inhaber und Geschäftsführer der Hamburger PR- und Werbeagentur

Laub & Partner GmbH. Seine Agentur unterstützt die Kampagne seit mehreren Jahren. 

 

 

  

Sie sind als PR-/ Unternehmensberater für verschiedene mittelständische und große Unternehmen tätig. Wie erklären Sie sich solche Reaktionen?

Eigentlich gar nicht. Die Sorge, Teile seiner Kundschaft zu verlieren, halte ich in diesem Fall für nicht akzeptabel. Es stellt sich schon die Frage, ob ein Unternehmen in seiner Existenz von der Zuneigung rechtsextremer Kunden abhängig sein möchte. Ich gehe mal davon aus, und das ist eigentlich die durchgängige Reaktion unserer Kunden, dass jeder Interesse hat, sich klar gegen rechte Gewalt und Demagogie zu positionieren. Bei den von uns betreuten Kunden steht die Meinungsfreiheit und Kulturvielfalt jedenfalls als Gegenbeispiel deutlich im Vordergrund.
 
Können Sie sich vorstellen, dass das Thema Rechtsextremismus bei Unternehmensvertretern auch Ängste vor Angriffen von Rechtsaußen auslöst?

Das ist sicher nicht ausgeschlossen. Auf der anderen Seite sind die Unternehmen Teil der Gesellschaft und haben von daher eine klare Verantwortung, im Kampf gegen Rechtsextremismus eine Meinung zu haben und diese auch mitzuteilen. Auch als Arbeitgeber und Nachbar haben Unternehmen die Aufgabe, meinungsbildend und vorbildlich zu sein. In diesem Sinne muss man die Damen und Herren wohl noch einmal daran erinnern, ihre Meinung auch klar zu kommunizieren – sofern eine Distanzierung von rechtsextremen Gedankengut gewünscht ist.

Glauben Sie, diese Unternehmen wollen sich möglicherweise gar nicht abgrenzen?

Nein, so weit sollte man nicht gehen. Im Gegenteil, ich bin sogar davon überzeugt, dass die Mehrzahl der Unternehmen eine klare Haltung zu dieser politischen Frage hat. Wir leben in einer globalen Gesellschaft und nahezu alle Unternehmen profitieren von dieser Globalität. Warum nicht jeder bereit ist, dies auch laut zu sagen und sich entsprechend gegen rechte Tendenzen zu engagieren, ist mir allerdings auch nicht verständlich.

Sie vertreten die Auffassung, jeder habe sich zu positionieren?

Na ja, wir leben in einem freien Land und niemand kann dazu gezwungen werden. Jeder Unternehmer wie auch Bürger dieses Landes hat aber die Möglichkeit, mit seinem Handeln oder Nichthandeln ein Signal zu setzen. Es wäre gut, wenn jeder Mensch, der eine klare Position hat, diese auch sichtbar vertritt. Ich bin mir sicher, dass die überwiegende Mehrheit in unserem Land gegen jede Art Rechtsextremismus eingestellt ist. Wenn alle das deutlich sagen würden, wäre der Platz für Rechtsextremismus sehr klein.

Sehen Sie die Wirtschaft mit in der Verantwortung, im Rahmen unserer Demokratie und freien Marktwirtschaft, wenn es um das Thema Rechtsextremismus geht?

Das eine bedingt das andere. Wir alle haben eine Verpflichtung, die Meinungsfreiheit zu verteidigen. Die Unternehmen jedoch, die von Kulturvielfalt profitieren und es sich leisten können, weil sie jahrelang gute Geschäfte gemacht haben, sollten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten stärker engagieren.

 

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